Presse

 

Plastikfolie trennt Musikschüler und Lehrer

Conrad Graf-Musikschule in Riedlingen lädt auch in Corona-Zeiten zum Instrumentenschnuppern ein

 

Waltraud Wolf

Riedlingen  - Normalität herrscht in der Conrad Graf-Musikschule in Riedlingen noch nicht, aber es findet wieder Unterricht statt, wenn auch unter besonderen Bedingungen. Diese betreffen auch das Kennenlernen von Instrumenten. Denn: Nicht nur auf das Sommerfest muss in diesem Jahr verzichtet werden, auch der Tag der offenen Tür mit „Instrumentenschnuppern“ fällt der Corona-Pandemie zum Opfer. Trotzdem können interessierte Mädchen und Buben sich zusammen mit ihren Eltern informieren, welches Instrument für sie passend ist. Auch den Wunschlehrer dürfen die Musikschüler in spe hierbei nennen. Der jeweilige Lehrer nimmt dann wegen eines Treffens Kontakt mit den Interessierten auf. Willkommen als Musikschüler sind auch Erwachsene.

 

Flexibilität und Kreativität sind in Zeiten von Corona gefragt. Das stellen Schulleiter Reinhold Gruber, sein Stellvertreter Michael Reiter und Christine Kohnen, welche die musikalische Früherziehung koordiniert, übereinstimmend fest. Sie und einige ihrer Kolleginnen und Kollegen sind von der derzeitigen Situation besonders betroffen, da die Früherziehung nicht stattfinden kann. Diese MusiklehrerInnen wurden denn auch vom Musikschul-Verein in Kurzarbeit geschickt. Dankbar ist Schulleiter Gruber, dass einige der Eltern die Gebühren dennoch bezahlen. Überhaupt haben er und seine Kollegen viel Verständnis für die aktuelle Situation erfahren, die alle herausgefordert hat. Unterricht fand online statt und zwar als Einzelunterricht. Gruppen wurden dafür getrennt. Es sei keine Ideal-, aber „trotz allem“ eine gute Lösung gewesen, betont er. Und Eltern und Kinder hätten die Abwechslung in der Zeit zu Hause als positiv empfunden. „Es war hochkonzentriert“, erinnert sich Reinhold Gruber, der nach fünf bis sechs Stunden Online-Unterricht zur Erholung „eine Stunde Fahrradfahren“ musste.

 

Auch beim Präsenzunterricht müssen die größeren Gruppen aufgeteilt werden, nur Einzel- und Zweier-Unterricht sind möglich, so der Raum genügend groß ist. Besonders begehrt sind deshalb der Schlagzeug- und der Früherziehungsraum. Jede Woche neu sei der Belegungsplan zu erstellen, verrät Gruber, denn auch der Unterricht in den allgemeinbildenden Schulen hat nicht selten seine Regelmäßigkeit verloren. Um voreinander geschützt zu sein, gibt es durchsichtige Plastikfolienwände, an Ständern befestigt oder herabhängend. Das Entgegenkommen zweier Firmen, die sie kostenlos zur Verfügung stellten, machten es möglich: der Betzenweiler Sonnenschirm-Hersteller May und die Daugendorfer Zimmerei-Firma Traub. Sie hat zudem den Ständer für das Desinfektionsmittel im Flur gefertigt. Denn die Hygienevorschriften müssen auch in der Musikschule streng eingehalten werden. Vor allem bei den Bläsern ist das eine Herausforderung. Manche Mütter haben für die Schalltrichter der Blasinstrumente einen Stoffschutz genäht. Am allerwichtigsten ist hierbei aber der Abstand. „Man muss höllisch aufpassen“, so Gruber. Er stellt den Schülern ein gutes Zeugnis aus. Man merke, dass sie den Umgang mit Corona-Vorschriften gewöhnt seien.

 

Michael Reiter, der vor allem in das Riedlinger Modell und die Bläserklasse an der Joseph Christian-Gemeinschaftsschule eingebunden ist, hat festgestellt, dass die Kinder glücklich seien, „dass sie wieder etwas schaffen können“. Die Kinder, deren Blockflöten- und Ensemble-Unterricht ansonsten in der Grundschule stattfindet, empfängt er jetzt im Musikschul-Gebäude. Dies gilt auch für Christine Kohnen mit ihrem Trommelunterricht innerhalb des Riedlinger Modells.

 

Länger warten mussten die Lehrer, bis der Unterricht in – wenn auch nicht in allen - Außenorten stattfinden konnte, denn Schulräume sind tabu! Meistens haben sich jetzt die Probenräume der Musikvereine für die Musikschule geöffnet. Um sie hygienisch rein zu hinterlassen, greift selbst Schulleiter Gruber zum Putztuch. Einige der Schüler, die sonst in den Umlandgemeinden unterrichtet werden, nehmen jetzt den Weg nach Riedlingen auf sich, um ihre Musikstunden wahrnehmen zu können.

 

Auch Christine Kohnen hat während des Lockdowns den Kontakt zu ihren Trommel-Schülern nicht verloren und sie mit Audios oder Videos angeleitet. Im Präsenzunterricht hat sie die Gruppen verkleinert und geht bei gutem Wetter nach draußen. Auf das begleitende Singen muss sie allerdings verzichten. Dankbar ist sie, dass die Erwachsenen signalisiert haben, mehr Gebühren zu zahlen, wenn die Gruppen verkleinert werden müssen. Um den ausgefallenen Unterricht vor Ostern nachholen zu können, lädt Christine Kohnen Kindergartenkinder zur musikalischen Früherziehung in kleinen Gruppen nach draußen ein, so in Dürmentingen und Wilflingen auf den Spielplatz und in Betzenweiler auch einen Grillplatz. Die Kindergärten nämlich bleiben für sie und ihre Kolleginnen zumindest vorläufig geschlossen.

 

Für individuelle Verabredungen mit den entsprechenden Lehrern kann man sich per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden oder unter der Telefonnummer 07371/7612 im Musikschul-Büro anrufen. Es ist vormittags besetzt. Informationen zum Ausbildungsangebot und den Lehrkräften schenkt die Homepage der Musikschule: www.conradgrafmusikschule.de

 

 

Klavierunterricht in Corona Zeiten 2